Übervoll – Eine Bestandsaufnahme

Ein Text aus dem Mai 2025. Zwischen diesem und jenem liegen ziemlich genau zwei Jahre und darin 17 Monate Therapie.

Manchmal ist man übervoll. Sorgen nehmen überhand, Gedanken kreisen, es ist einfach alles zu viel. Und man will nur eins: Ruhe. Eine Pause.

Wenn du auf dieser Seite gelandet bist, weil du dich fragst, ob du zu viel trinkst, dann lautet die Antwort höchstwahrscheinlich: Ja.

Willkommen.

Ich freue mich, dass du weiterliest. Denn sich diese Frage überhaupt zu stellen, ist etwas Wunderbares. Das eigene Verhalten infrage zu stellen, ist ein großer Schritt. Und ein ehrlicher. Schön, dass du hier bist.

Es gibt unzählige Tests zum Thema Alkoholkonsum online. Einige stammen von mehr oder weniger seriösen Coaches, die sie gegen Bezahlung oder mit Eigenwerbung zur Verfügung stellen. Andere sind fundiert und wissenschaftlich, aber nicht so leicht zu finden, weil sie nicht besonders hübsch gestaltet sind oder gerade nicht im Trend liegen. Und auch ich könnte hier vermutlich noch einen weiteren Test „erstellen“. Aber das muss gar nicht sein. In der Linksektion findest du Tests, die ich für solide halte.

So. Jetzt hast du also ein Ergebnis. Ein Urteil. Und nun?

Vielleicht sagt dir der Test, dass alles okay ist. Du bist auf der sicheren Seite. Du hast kein Problem. Kein echtes jedenfalls. Du trinkst ja nur abends. Oder nur am Wochenende. Oder nur, wenn es stressig war. Du kannst ja jederzeit aufhören.

Ich selbst habe lange nicht sehen wollen, wie gefährlich ich unterwegs war. Denn Alkohol ist normal in unserer Gesellschaft. Mehr als normal. Er gehört dazu, und der Umgang damit gilt als selbstverständlich. Wir tun so, als hätten wir das alle im Griff.

Meine Diagnose war „nur“ gefährlicher Gebrauch – F10.1. Ich kann heute dazu stehen. Und ja, ich bin froh, dass ich an der Diagnose „Alkoholabhängigkeit“ vorbeigeschlittert bin. Aber wenn ich ehrlich zurückblicke, und so lange ist das noch nicht her, dann muss ich sagen: Ich war drüber. Wirklich drüber. Und trotzdem habe ich es mir lange nicht eingestanden. Nicht in der Klinik, selbst nicht im Gespräch mit den Psychotherapeut:innen vor Ort. Denn da war ja immer dieses „gerade so eben nicht“, dieser Funke Hoffnung, dass ich eben nicht so bin wie… tja, wie das, was wir handelsüblich als „versoffenen Penner“ bezeichnen würden.

Ich bin heute froh, dass ich mir Fragen nach dem Konsum gestellt habe. Dass ich mir Hilfe geholt habe. Das war der Anfang. Und es war, rückblickend betrachtet, eine fantastische Entscheidung, bei der mein einziger Punkt der Reue ist, sie nicht zehn Jahre früher getroffen zu haben.


Aber heute, heute bist du erst einmal hier. Niemand erwartet von dir, morgen aufzuhören. Du musst nichts heute entscheiden. Aber vielleicht… vielleicht willst du anfangen, hinzuschauen. Und herausfinden, was es ist, das dich übervoll macht. Und wie du nachhaltig Platz für die ganze Fülle schaffen kannst – ohne Drogen.

Und jetzt? Gute Frage. Fängt man mit einem Test an? Oder mit einem Trinktagebuch? Mit Literatur? Oder gleich der großen Frage nach dem Warum? Kann man alles machen. Aber ja, das kann auch überfordern. Überfüllen.

Vielleicht reicht erstmal ein Gedanke.